Kurze Videos im Hochformat sind auf Instagram, TikTok, YouTube und zunehmend auch auf LinkedIn ein fester Bestandteil. Viele Unternehmen zögern trotzdem. Sie denken an Kamerateams, Schnittprogramme und Menschen, die gern vor der Kamera stehen. Dabei entstehen die meisten wirksamen Kurzvideos mit dem Smartphone, in wenigen Minuten und ohne großes Budget.
Ideen, die fast immer funktionieren
Die größte Hürde ist selten die Technik, sondern die Frage, was man überhaupt zeigen soll. Einige Formate eignen sich für fast jedes Unternehmen:
- Ein Arbeitsschritt im Zeitraffer. Die Fliese wird verlegt, die Torte verziert, die Maschine montiert.
- Vorher und nachher. Ein Raum, ein Garten, ein Fahrzeug, eine Frisur.
- Eine Frage, eine Antwort. Eine Frage, die Kunden oft stellen, beantwortet in 30 Sekunden.
- Ein häufiger Fehler. „Was wir bei Kunden immer wieder sehen“ zieht Aufmerksamkeit, weil sich Zuschauer darin wiedererkennen.
- Hinter den Kulissen. Die Werkstatt am Morgen, die Lieferung, die Vorbereitung für eine Messe.
- Ein Werkzeug oder Material erklärt. Warum Sie gerade dieses verwenden.
Sammeln Sie Ideen in einer Liste, sobald sie auftauchen. Im Alltag fällt einem mehr ein als am Schreibtisch.
Die ersten Sekunden entscheiden
Kurzvideos werden in einem endlosen Strom angeschaut. Wenn die ersten ein, zwei Sekunden nicht neugierig machen, wird weitergewischt. Beginnen Sie deshalb direkt mit dem Interessantesten:
- mit dem Ergebnis, bevor Sie den Weg dorthin zeigen
- mit einer klaren Frage als Text im Bild
- durch eine Bewegung, die sofort auffällt
Verzichten Sie auf Logos, Begrüßungen oder lange Einleitungen am Anfang. Ihr Name steht ohnehin über dem Video.
Technik, die reicht
Licht
Licht ist wichtiger als die Kamera. Tageslicht von vorn oder seitlich, etwa an einem Fenster, ist ideal. Vermeiden Sie Gegenlicht, bei dem Personen vor einem hellen Fenster stehen und nur als Umriss zu sehen sind. In dunklen Räumen hilft eine einfache Videoleuchte.
Ton
Schlechter Ton vertreibt Zuschauer schneller als ein unscharfes Bild. Wenn Sie sprechen, lohnt sich ein Ansteckmikrofon, das es für wenig Geld gibt. Drehen Sie nicht neben laufenden Maschinen, wenn gesprochen wird, oder legen Sie die Erklärung nachträglich als Sprachaufnahme darüber.
Ruhe im Bild
Eine einfache Halterung oder ein kleines Stativ verhindert verwackelte Aufnahmen. Für Bewegung reicht oft ein langsamer, gleichmäßiger Schwenk. Halten Sie das Smartphone immer im Hochformat, das ist das Format dieser Plattformen.
Linse putzen
Klingt banal, macht aber einen sichtbaren Unterschied. Smartphones stecken in Hosentaschen, die Linse ist fast immer verschmiert.
Schnitt in der App
Die Apps der Plattformen haben eigene Schnittfunktionen. Daneben gibt es einfache Schnittprogramme für das Smartphone. Für die meisten Unternehmensvideos genügen wenige Funktionen:
- Clips kürzen und aneinanderreihen
- Text im Bild einblenden
- Untertitel erzeugen
- Musik aus der Bibliothek hinzufügen
Halten Sie den Schnitt einfach. Ein Schnitt alle zwei bis vier Sekunden hält das Tempo, ohne hektisch zu wirken.
Untertitel immer einplanen
Viele Menschen schauen Videos ohne Ton, im Bus, im Wartezimmer, abends neben jemandem, der schläft. Untertitel sorgen dafür, dass Ihre Botschaft trotzdem ankommt. Sie machen Videos außerdem für Menschen mit Hörbehinderung zugänglich. Die automatischen Untertitel der Apps sind meist brauchbar, sollten aber vor dem Veröffentlichen auf Fehler geprüft werden. Fachbegriffe und Firmennamen werden oft falsch erkannt.
Rechte und Einwilligungen
Bevor ein Video online geht, prüfen Sie drei Dinge:
- Personen im Bild. Mitarbeitende und Kunden, die erkennbar zu sehen sind, sollten vorher zugestimmt haben, am besten schriftlich. Bei Mitarbeitenden gehört dazu auch die Frage, was nach dem Ausscheiden mit dem Video passiert.
- Musik. Verwenden Sie nur Musik, die die Plattform für Unternehmenskonten freigibt, oder lizenzfreie Musik mit passender Lizenz.
- Hintergrund. Sind vertrauliche Unterlagen, Bildschirme mit Kundendaten oder Kennzeichen von Fahrzeugen zu sehen? Ein kurzer Blick spart später Ärger.
Wer steht vor der Kamera?
Nicht jeder fühlt sich vor der Kamera wohl, und das muss auch niemand. Viele gute Kurzvideos zeigen gar kein Gesicht, sondern Hände bei der Arbeit, ein Produkt oder einen Ablauf. Die Erklärung kommt dann als Text im Bild oder als Sprachaufnahme dazu.
Wenn jemand im Team gern spricht, ist das ein Gewinn. Lassen Sie diese Person in ihren eigenen Worten erzählen, ohne auswendig gelernten Text. Drei Stichpunkte auf einem Zettel hinter der Kamera reichen. Versprecher sind kein Problem. Meist wirken sie sympathischer als eine glatt abgelesene Botschaft.
Regelmäßigkeit vor Perfektion
Ein einfaches Video pro Woche bringt mehr als ein aufwendig produziertes im Quartal. Die Plattformen belohnen regelmäßige Aktivität, und Ihr Team gewinnt mit jeder Aufnahme an Sicherheit. Viele Unternehmen sind überrascht, wie gut gerade die ungeschliffenen Videos ankommen. Sie wirken echt, weil sie es sind.
Planen Sie Drehs am besten fest ein, etwa als Teil eines Projekts oder als festen Termin im Monat, und sammeln Sie das Material zentral. Wie das in einen Redaktionsplan für Social Media passt, der auch in vollen Wochen funktioniert, lesen Sie in einem eigenen Beitrag. So entsteht nach und nach ein Vorrat, auf den Sie jederzeit zurückgreifen können.
Wenn Sie Unterstützung bei Ideen, Planung oder Schnitt möchten, finden Sie mehr unter Social-Media-Marketing. Kurze Videos eignen sich übrigens auch für Ihre Website, etwa auf Leistungsseiten. Wie man sie dort einbindet, ohne die Ladezeit zu belasten, beschreiben wir unter Webdesign.