Kaum ein Werkzeug hat die Arbeit an Website-Texten so schnell verändert wie KI-Sprachmodelle. Ein Entwurf für eine Leistungsseite entsteht heute in Sekunden. Viele Unternehmen fragen sich deshalb, ob sie ihre Website nicht einfach von einer KI schreiben lassen können. Die ehrliche Antwort lautet: teilweise. Wo genau die Grenze verläuft, zeigt sich in der täglichen Arbeit ziemlich deutlich.
Was Google dazu sagt
Zuerst die gute Nachricht. Google hat schon im Februar 2023 klargestellt, dass KI-generierte Inhalte nicht grundsätzlich schlechter bewertet werden. In der offiziellen Stellungnahme heißt es sinngemäß, dass es auf die Qualität ankommt und nicht darauf, wie ein Inhalt entstanden ist.
Gleichzeitig nennen die Spam-Richtlinien von Google den Missbrauch durch massenhaft erstellte Inhalte ausdrücklich als Verstoß. Gemeint sind viele Seiten, die vor allem dafür produziert werden, Suchmaschinen zu bedienen, ohne Besuchern weiterzuhelfen. Ob dabei eine KI, eine Vorlage oder ein Mensch am Werk war, spielt keine Rolle. Wer also hundert fast gleiche Seiten für hundert Städte erzeugt, riskiert Probleme. Wer eine gut recherchierte Seite mit KI-Hilfe schreibt, nicht.
Wo KI wirklich hilft
Den Anfang finden
Das leere Blatt ist für viele das größte Hindernis. Eine KI liefert schnell einen ersten Aufbau, eine Gliederung oder mehrere Varianten für eine Überschrift. Das spart Zeit, auch wenn am Ende kaum ein Satz übrig bleibt.
Eigene Notizen in Form bringen
Sie wissen, was Sie sagen wollen, aber es klingt holprig? Stichpunkte aus einem Kundengespräch oder eine Sprachnotiz lassen sich mit KI gut in lesbaren Text verwandeln. Der Inhalt stammt dann von Ihnen, die KI hilft nur bei der Form.
Prüfen und kürzen
KI ist ein brauchbarer Gegenleser. Sie findet zu lange Sätze, Wiederholungen, unklare Bezüge und Rechtschreibfehler. Sie kann einen langen Absatz auf das Wesentliche kürzen oder einen Fachtext verständlicher formulieren.
Varianten und Kleinarbeit
Seitentitel und Beschreibungen für Suchergebnisse, alternative Formulierungen für Knöpfe, Bildbeschreibungen als Entwurf: Bei solchen Kleinigkeiten spart KI viel Zeit. Ein Mensch sollte trotzdem jede Variante prüfen, bevor sie online geht.
Wo KI schadet
Wenn sie Wissen ersetzen soll
Eine KI kennt Ihr Unternehmen nicht. Sie weiß nicht, wie Ihr Ablauf aussieht, welche Fehler Sie bei Kunden immer wieder beobachten oder warum Sie ein bestimmtes Material empfehlen. Fehlt dieses Wissen im Eingabetext, füllt sie die Lücke mit Allgemeinplätzen. Das Ergebnis klingt flüssig und sagt wenig. Dabei erhöht gerade die eigene Erfahrung die Chance, im KI-Modus der Google-Suche als Quelle genannt zu werden.
Wenn Fakten gefragt sind
Sprachmodelle erfinden gelegentlich Zahlen, Quellen, Gesetzesstellen oder Produkteigenschaften und tragen sie dabei sehr selbstsicher vor. Auf einer Firmenwebsite ist das gefährlich. Falsche Preisangaben, erfundene Normen oder ungenaue Rechtshinweise können teuer werden. Jede Tatsachenbehauptung braucht deshalb eine Prüfung an einer verlässlichen Quelle.
Wenn alle gleich klingen
Wer dieselben Werkzeuge mit ähnlichen Anweisungen nutzt, bekommt ähnliche Texte. Viele Websites lesen sich inzwischen verwechselbar: dieselben Versprechen, dieselben Formulierungen, dieselbe Struktur. Für Besucher, die mehrere Anbieter vergleichen, ist das ein Grund, weiterzuklicken. Ihre Website soll aber gerade zeigen, warum Sie anders sind.
Wenn Vertrauliches in die Eingabe gerät
Wer Kundendaten, Angebote oder interne Zahlen in ein frei verfügbares KI-Werkzeug kopiert, gibt sie unter Umständen an Dritte weiter. Klären Sie vorher, welche Werkzeuge erlaubt sind und welche Daten nicht hineingehören.
Woran Sie austauschbare Texte erkennen
Einige Muster tauchen in KI-Texten auffallend oft auf. Keines davon ist für sich ein Fehler, gehäuft wirken sie aber beliebig:
- Sätze, die alle ähnlich lang sind und demselben Rhythmus folgen
- ständige Aufzählungen mit genau drei Begriffen
- Wörter wie „ganzheitlich“, „maßgeschneidert“, „nahtlos“ oder „innovativ“ ohne konkreten Inhalt
- Überschriften nach dem Muster „Begriff: Erklärung“
- viele Gedankenstriche als Satzzeichen
- Aussagen, die auf jedes Unternehmen der Branche passen würden
Ein einfacher Test: Ersetzen Sie Ihren Firmennamen durch den eines Mitbewerbers. Stimmt der Text dann immer noch? Dann sagt er zu wenig über Sie.
Ein Beispiel zum Vergleich
Wie groß der Unterschied ist, zeigt ein erfundenes, aber typisches Beispiel. Ein Heizungsbauer lässt sich einen Einleitungssatz für seine Seite zu Wärmepumpen schreiben, ohne eigene Angaben. Heraus kommt etwa:
„Wir bieten Ihnen maßgeschneiderte Lösungen rund um Wärmepumpen, von der Beratung über die Installation bis zur Wartung, alles aus einer Hand.“
Der Satz ist fehlerfrei und sagt nichts, was nicht auf jeden Mitbewerber zuträfe. Gibt der Betrieb der KI dagegen seine Stichpunkte mit, etwa dass er vor jedem Angebot die Heizlast vor Ort berechnet und dass viele Kunden in Altbauten mit Heizkörpern wohnen, wird daraus:
„Bevor wir Ihnen eine Wärmepumpe anbieten, berechnen wir bei Ihnen vor Ort, wie viel Wärme Ihr Haus wirklich braucht. Gerade in älteren Häusern mit Heizkörpern entscheidet diese Rechnung darüber, ob sich eine Wärmepumpe lohnt.“
Der zweite Satz ist konkret, beantwortet eine echte Sorge von Kunden und zeigt Fachwissen. Den Unterschied macht nicht das Werkzeug, sondern das Wissen, das hineingegeben wurde.
Fünf Regeln für den Einsatz im Team
- Der Inhalt kommt von Ihnen. Geben Sie der KI Ihre Stichpunkte, Erfahrungen und Beispiele. Je mehr Eigenes im Eingabetext steckt, desto weniger Floskeln im Ergebnis.
- Jede Tatsache wird geprüft. Zahlen, Daten, Namen und Rechtsaussagen nur mit nachprüfbarer Quelle.
- Ein Mensch gibt frei. Kein Text geht ohne Lesen und Überarbeiten online.
- Vertrauliches bleibt draußen. Klare Liste, welche Werkzeuge erlaubt sind und welche Daten nicht.
- Masse ist kein Ziel. Lieber zehn Seiten mit echtem Nutzen als hundert, die niemand braucht.
Unsere Sicht
Wir nutzen KI in unserer Arbeit, für Entwürfe, zum Gegenlesen und für Routineaufgaben. Die Entscheidung, was auf einer Seite steht und ob es stimmt, treffen aber Menschen, die das Fach kennen. Diese Arbeitsteilung hat sich bewährt.
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