KI-Werkzeuge erzeugen heute in Sekunden Bilder, für die früher ein Fotoshooting oder eine Illustratorin nötig gewesen wäre. Für Unternehmen ist das verlockend: ein passendes Titelbild für den Blogbeitrag, ein Hintergrund für die Messe, ein Motiv für die Anzeige. Die Frage, ob KI-Bilder grundsätzlich eine Alternative zu eigenen Fotos und Stockbildern sind, haben wir im Juli bereits gestellt. Hier geht es um die nächste Stufe: Wie setzen Sie KI-Bilder so ein, dass sie rechtlich sauber, ehrlich und handwerklich gut sind?
Vorweg: Dieser Artikel gibt einen praktischen Überblick und ist keine Rechtsberatung. Bei konkreten Fragen zu Ihrem Fall wenden Sie sich an eine Anwältin oder einen Anwalt.
Wofür KI-Bilder taugen und wofür nicht
KI-Bilder spielen ihre Stärken bei Motiven aus, die symbolisch gemeint sind. Ein Schloss als Bild für Datensicherheit, eine Landschaft im Morgenlicht als Stimmungsbild, eine Illustration für einen Fachartikel. Niemand erwartet, dass dieses Schloss irgendwo existiert.
Heikel wird es, wo Besucher ein echtes Abbild erwarten:
- Ihr Team. Ein KI-Bild von Menschen, die bei Ihnen gar nicht arbeiten, täuscht über Ihr Unternehmen.
- Ihre Produkte. Ein Bild, das ein Produkt schöner oder anders zeigt, als es ist, kann irreführend sein.
- Referenzen und Ergebnisse. Ein erfundenes Vorher-nachher-Bild ist kein Beleg.
- Ihre Räume und Ihr Standort. Wer Sie besucht, vergleicht.
Die Faustregel lautet: Wo ein Foto etwas beweisen soll, gehört ein echtes Foto hin.
Wem das Bild gehört
Das deutsche Urheberrechtsgesetz schützt nach § 2 Abs. 2 UrhG nur persönliche geistige Schöpfungen. Gemeint ist die Leistung eines Menschen. Ein Bild, das allein aus einer Texteingabe entsteht, erfüllt das nach überwiegender Auffassung meist nicht. Daraus folgen zwei praktische Punkte.
Erstens können Sie anderen die Nutzung Ihres KI-Bildes oft nicht verbieten. Wer ein solches Bild zum zentralen Element seiner Marke machen möchte, etwa als Maskottchen, sollte das bedenken. Eine eigenständige menschliche Weiterbearbeitung kann die Lage ändern.
Zweitens zählen die Nutzungsbedingungen des Anbieters. Sie regeln, ob Sie die Bilder gewerblich verwenden dürfen und ob das vom gewählten Tarif abhängt. Lesen Sie diese Bedingungen vor dem ersten Einsatz und legen Sie eine Kopie mit Datum ab. Bedingungen ändern sich.
Rechte anderer nicht verletzen
Auch wenn Ihr Bild selbst nicht geschützt ist, kann es Rechte anderer berühren:
- Echte Personen. Ein Bild, das eine erkennbare reale Person zeigt, berührt deren Recht am eigenen Bild nach dem Kunsturhebergesetz und ihr Persönlichkeitsrecht. Das gilt auch für Bilder, die einer bekannten Person nur sehr ähnlich sehen.
- Marken und Logos. Fremde Logos, Markenprodukte oder bekannte Figuren haben im eigenen Werbebild nichts zu suchen.
- Vorlagen. Wenn Sie ein fremdes Foto hochladen und von der KI abwandeln lassen, bleibt das Original geschützt.
Achten Sie außerdem darauf, was Sie in das Werkzeug eingeben. Kundenfotos, Namen oder interne Dokumente gehören nicht in eine Bildbeschreibung.
Kennzeichnung nach dem AI Act
Seit dem 2. August 2026 gelten die Transparenzpflichten aus Artikel 50 der KI-Verordnung. Die Regeln im Überblick haben wir Anfang August beschrieben. Hier geht es nur darum, was sie für Bilder bedeuten.
Die maschinenlesbare Markierung ist Sache der Werkzeug-Anbieter. Für Systeme, die schon vor dem 2. August 2026 auf dem Markt waren, gilt laut dem im Juli in Kraft getretenen Digital Omnibus eine Übergangsfrist bis zum 2. Dezember 2026. Sie müssen daran nichts tun, sollten die Markierung aber auch nicht entfernen.
Für Sie als Unternehmen, das die Bilder verwendet, ist vor allem Absatz 4 wichtig. Wer mit KI einen sogenannten Deepfake erstellt, muss offenlegen, dass der Inhalt künstlich erzeugt oder verändert wurde. Gemeint sind realistisch wirkende Bilder, Videos oder Tonaufnahmen, die echten Personen, Orten oder Ereignissen ähneln und fälschlich für echt gehalten werden könnten. Bei erkennbar künstlerischen oder satirischen Werken genügt ein zurückhaltender Hinweis.
Eine eindeutig gestaltete Illustration ist meist kein Deepfake. Ein fotorealistisches Bild Ihrer angeblichen Werkstatt mit angeblichen Mitarbeitenden kann es dagegen sein. Die EU-Kommission hat im Juni einen freiwilligen Verhaltenskodex zur Markierung und Kennzeichnung veröffentlicht, der zeigt, wie eine Kennzeichnung in der Praxis aussehen kann.
Für alle anderen KI-Bilder schreibt das Gesetz keinen sichtbaren Hinweis vor. Ob Sie trotzdem einen setzen, entscheiden Sie selbst. Achten Sie aber beim Zuschneiden und Komprimieren darauf, dass die Herkunftsdaten in der Datei erhalten bleiben. Manche Programme löschen sie beim Speichern stillschweigend.
Qualität prüfen, bevor das Bild online geht
KI-Bilder wirken auf den ersten Blick oft verblüffend echt. Auf den zweiten fallen Fehler auf, die Besuchern das Vertrauen nehmen. Sehen Sie sich jedes Bild in doppelter Vergrößerung an und gehen Sie diese Liste durch:
| Prüfpunkt | Typischer Fehler |
|---|---|
| Hände und Finger | sechs Finger, verschmolzene Hände, falscher Griff |
| Augen und Blick | unterschiedliche Pupillen, Blick ins Leere |
| Schrift im Bild | Fantasiebuchstaben auf Schildern und Bildschirmen |
| Spiegelungen und Schatten | Spiegelbild passt nicht, Schatten fallen in verschiedene Richtungen |
| Werkzeuge und Technik | Bohrer ohne Bohrfutter, Kabel, die im Nichts enden |
| Wiederholungen | gleiche Gesichter in einer Menschengruppe, kopierte Fenster |
| Fachliche Logik | falsche Schutzkleidung, unmögliche Arbeitshaltung |
Gerade der letzte Punkt wird oft übersehen. Ein Elektriker ohne Schutzhandschuhe oder ein Koch mit offenem Haar fällt Fachleuten sofort auf. Lassen Sie Bilder aus Ihrem Fachgebiet deshalb von jemandem prüfen, der sich auskennt.
Ein Ablauf für den Alltag
- Zweck klären. Symbolbild oder Abbild? Nur Symbolbilder kommen für KI infrage.
- Werkzeug festlegen. Eines, dessen Bedingungen gewerbliche Nutzung erlauben und das Sie geprüft haben, am besten festgehalten in Ihrer KI-Richtlinie.
- Mehrere Varianten erzeugen. Die erste ist selten die beste.
- In Vergrößerung prüfen. Nach der Liste oben, am besten zu zweit.
- Am Einsatzort ansehen. Ein Bild wirkt im Layout, auf dem Smartphone und im Zuschnitt anders als in voller Größe.
- Dokumentieren. Werkzeug, Datum und Beschreibung zusammen mit dem Original ablegen.
- Pflichten prüfen. Ein Deepfake braucht einen deutlichen Hinweis am Bild, ein Symbolbild nicht.
Mit diesem Ablauf werden KI-Bilder zu einem nützlichen Werkzeug, statt zu einem Risiko für Ihren Ruf.
Wenn Sie Bilder für eine neue Website planen, beraten wir Sie gern dazu, wo eigene Fotos und wo KI-Bilder passen. Mehr dazu finden Sie unter Webdesign und Firmenwebsites. Für Motive in sozialen Netzwerken lesen Sie unter Social-Media-Marketing weiter.