Webdesign

Briefing für die neue Website mit den Fragen, die vor dem ersten Entwurf geklärt sein sollten

Was Ihre Agentur vor dem ersten Entwurf wissen muss: Ziele, Zielgruppen, Inhalte, Technik, Budget und Zuständigkeiten. Checkliste für Ihr Briefing.

5 Min. Lesezeitturbo2web · seit 2003

Viele Website-Projekte entscheiden sich in den ersten zwei Wochen. Nicht beim Design, sondern bei den Fragen, die vorher gestellt oder eben nicht gestellt wurden. Wer erst im dritten Entwurf merkt, dass die Website eigentlich Bewerber ansprechen soll und nicht Kunden, verliert Zeit und Geld.

Ein gutes Briefing verhindert das. Meistens. Es muss weder lang noch besonders schön formuliert sein. Es sollte nur die folgenden Fragen beantworten. Manche davon werden Sie sofort beantworten können, bei anderen lohnt sich ein Gespräch im eigenen Team.

Warum es die neue Website geben soll

Was ist der Anlass?

Schreiben Sie in zwei, drei Sätzen auf, warum Sie jetzt eine neue Website möchten. Ist die alte technisch veraltet? Hat sich das Angebot verändert? Kommen zu wenige Anfragen? Der Anlass bestimmt, worauf im Projekt der Schwerpunkt liegt.

Woran messen Sie den Erfolg?

„Moderner aussehen“ ist ein verständlicher Wunsch, aber kein messbares Ziel. Besser sind Aussagen wie: mehr Anfragen über das Formular, weniger Telefonanrufe mit Standardfragen, mehr Bewerbungen für bestimmte Stellen, mehr Bestellungen von Bestandskunden. Ein oder zwei Hauptziele reichen. Zehn gleich wichtige Ziele sind keines.

Für wen die Website gedacht ist

Wer sind Ihre wichtigsten Besucher?

Beschreiben Sie die zwei oder drei wichtigsten Gruppen so konkret wie möglich. Statt „Privatkunden“ etwa: Hausbesitzer zwischen 40 und 65, die eine Heizung modernisieren möchten und sich vorab gründlich informieren. Je genauer das Bild, desto besser lassen sich Texte und Aufbau darauf ausrichten.

Was wollen diese Besucher wissen?

Sammeln Sie die Fragen, die Ihnen Kunden im Erstgespräch stellen. Diese Liste ist Gold wert. Sie zeigt, welche Inhalte auf die Website gehören und in welcher Reihenfolge. Nebenbei liefert sie die Grundlage für eine gute Auffindbarkeit in Suchmaschinen, auch im KI-Modus der Google-Suche.

Was sollen sie am Ende tun?

Anrufen, ein Formular ausfüllen, einen Termin buchen, etwas kaufen, sich bewerben? Legen Sie fest, welche Handlung auf welcher Seite die wichtigste ist.

Was auf die Website kommt

Welche Seiten brauchen Sie?

Eine grobe Liste genügt. Typisch sind Startseite, Leistungen mit Unterseiten, Über uns, Referenzen, Karriere und Kontakt, und für jede dieser Seiten sollten Sie notieren, ob es sie heute schon gibt oder ob sie neu entstehen muss. Die rechtlichen Pflichtseiten wie Impressum und Datenschutzerklärung gehören natürlich dazu.

Wer liefert Texte, Fotos und Videos?

Das ist die Frage, an der die meisten Zeitpläne scheitern. Klären Sie früh, ob Sie Texte selbst schreiben, vorhandene überarbeiten lassen oder komplett neu in Auftrag geben. Gleiches gilt für Fotos. Ein Fotoshooting braucht Vorlauf, und gute eigene Bilder wirken fast immer glaubwürdiger als Archivfotos.

Gibt es Sprachversionen?

Soll die Website mehrsprachig werden, verändert das den Aufwand erheblich. Auch Aufbau und Technik hängen davon ab. Das gehört deshalb von Anfang an ins Briefing und nicht als Nachtrag in die Abnahme.

Wie die Website technisch funktionieren soll

Wer pflegt die Inhalte?

Beschreiben Sie, wer später Texte ändert, Neuigkeiten veröffentlicht oder Stellenanzeigen einstellt und wie oft das vorkommt. Daraus ergibt sich, wie bequem das Redaktionssystem sein muss und welche Schulung nötig ist.

Welche Funktionen brauchen Sie?

Typische Beispiele sind Terminbuchung, Mitarbeiter-Login, Produktkatalog, Shop, Newsletter-Anmeldung, Stellenbörse oder eine Anbindung an Ihre Branchensoftware. Jede Funktion beeinflusst Aufwand und Wartung. Unterscheiden Sie deshalb zwischen „unbedingt zum Start“ und „irgendwann später“.

Was gibt es bereits?

Domain, Hosting, E-Mail-Postfächer, Logo, Gestaltungsrichtlinien, Analysewerkzeug, Google-Unternehmensprofil: Halten Sie fest, was vorhanden ist und wer die Zugänge hat. Eine solche Liste aller Logins empfehlen wir auch im Website-Check zum Jahresbeginn. Bei einem Relaunch gehört auch die Frage dazu, welche alten Seiten gut bei Google gefunden werden. Diese Seiten brauchen eine saubere Weiterleitung.

Rahmenbedingungen

Budget

Nennen Sie einen Rahmen. Das ist keine Verhandlungsschwäche, sondern hilft beiden Seiten. Eine Agentur kann dann einen Vorschlag machen, der zu Ihren Mitteln passt, statt zu raten. Denken Sie auch an die laufenden Kosten.

Zeitplan

Gibt es einen festen Termin, etwa eine Messe, ein Firmenjubiläum oder einen Produktstart? Dann rechnen Sie rückwärts und planen Puffer für Abstimmungen ein. Die meisten Verzögerungen entstehen nicht bei der Umsetzung, sondern beim Warten auf Freigaben und Inhalte.

Entscheidungswege

Wer gibt Entwürfe frei? Wenn fünf Personen mitreden und eine davon erst bei der Abnahme dazukommt, wird es teuer. Benennen Sie eine verantwortliche Ansprechperson und legen Sie fest, wer wann einbezogen wird.

Was nicht ins Briefing gehört

Ein Briefing beschreibt Ziele und Anforderungen, nicht die Lösung. Detaillierte Vorgaben zu Farben, Schriften oder dem genauen Seitenaufbau engen den Spielraum ein, bevor die Fachleute überhaupt nachdenken konnten. Wenn Ihnen bestimmte Websites gefallen, nennen Sie sie gern als Beispiel. Schreiben Sie aber dazu, was genau Ihnen gefällt, denn „die Seite von Firma X“ kann vieles bedeuten.

Die Checkliste zum Abhaken

  • Anlass für die neue Website in zwei, drei Sätzen
  • ein bis zwei messbare Hauptziele
  • wichtigste Besuchergruppen mit ihren Fragen
  • gewünschte Handlung je Seite
  • grobe Seitenliste, bestehend und neu
  • Zuständigkeit für Texte, Fotos und Videos
  • Sprachversionen ja oder nein
  • wer pflegt was und wie oft
  • benötigte Funktionen, getrennt nach Start und später
  • vorhandene Zugänge, Domain, Hosting, Logo
  • Budgetrahmen einschließlich laufender Kosten
  • Zeitplan mit festen Terminen
  • verantwortliche Ansprechperson und Freigabewege

Mit diesen Punkten ist ein Erstgespräch deutlich ergiebiger. Wir gehen das Briefing mit Ihnen gemeinsam durch und ergänzen, was fehlt. Mehr zu unserem Vorgehen bei neuen Websites finden Sie unter Webdesign und Firmenwebsites. Steht eine bestehende Website zur Erneuerung an, lesen Sie auch, worauf es beim Website-Relaunch ankommt.