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Relaunch ohne unnötige Rankingverluste dank sauber geplanter Weiterleitungen

Beim Relaunch ändern sich Adressen. So erstellen Sie eine vollständige Weiterleitungsliste, vermeiden Ketten und Fehlerseiten und testen vor dem Start.

6 Min. Lesezeitturbo2web · seit 2003

Bei fast jedem Relaunch ändern sich Adressen. Aus /leistungen.php?id=4 wird /leistungen/heizungswartung/, zwei alte Seiten werden zu einer neuen zusammengelegt, ein Bereich fällt weg. Für Besucher ist das egal, solange jede alte Adresse sauber auf die neue zeigt. Fehlt diese Verbindung, landen Menschen und Suchmaschinen auf einer Fehlerseite. Und die Positionen, die sich eine Seite über Jahre erarbeitet hat, verschwinden mit ihr.

Ob ein Relaunch nötig ist und welche Inhalte mitumziehen, sind eigene Fragen. Hier geht es um den technischen Teil, der oft erst in der letzten Woche vor dem Start auffällt: die Weiterleitungen. Eine Garantie, dass nach einem Relaunch jede Position gleich bleibt, gibt es nicht. Vermeidbare Verluste lassen sich aber zuverlässig verhindern.

Warum alte Adressen so viel wert sind

Eine Adresse, die seit Jahren existiert, hat Spuren hinterlassen. Google kennt sie und zeigt sie für bestimmte Suchanfragen an. Andere Websites verlinken darauf, etwa Branchenverzeichnisse, Partner oder ein Zeitungsartikel. Kunden haben sie als Lesezeichen gespeichert. Vielleicht steht sie auf einem gedruckten Flyer, in einem QR-Code oder in alten E-Mail-Signaturen.

Eine permanente Weiterleitung sagt allen diesen Besuchern und Suchmaschinen: Diese Seite wohnt jetzt woanders. Ohne sie fängt die neue Seite bei null an.

1. Alle alten Adressen erfassen

Die Liste muss vollständig sein, und genau daran scheitern viele Projekte. Haben Sie vor dem Relaunch bereits eine Inventur Ihrer Inhalte gemacht, ist sie der Ausgangspunkt. Die Sitemap der alten Website ist ein guter Anfang, enthält aber selten alles. Nutzen Sie mehrere Quellen:

  • Die Search Console. Der Leistungsbericht zeigt, welche Seiten in den letzten Monaten über Google gefunden wurden. Der Linkbericht nennt die Seiten, auf die andere Websites verweisen.
  • Ein Crawler. Ein Programm, das die alte Website wie eine Suchmaschine Link für Link durchgeht, findet auch Seiten, die nicht in der Sitemap stehen.
  • Ihr Analysewerkzeug. Die Liste der Einstiegsseiten zeigt, wo Besucher tatsächlich ankommen.
  • Die Server-Protokolle. Sie verraten auch Aufrufe von PDFs, Bildern und uralten Adressen, die noch irgendwo verlinkt sind.

Vergessen Sie Dateien nicht. Eine Preisliste als PDF oder ein Datenblatt, das Kunden seit Jahren herunterladen, braucht ebenfalls ein neues Ziel.

2. Jeder alten Adresse ein Ziel geben

Aus der Sammlung entsteht die Weiterleitungsliste, am einfachsten als Tabelle. Ein Beispiel mit angenommenen Adressen:

Alte Adresse Neue Adresse Anmerkung
/leistungen.php?id=4 /leistungen/heizungswartung/ gleicher Inhalt, neue Adresse
/wartung-gas.html /leistungen/heizungswartung/ mit der Seite oben zusammengelegt
/team.html /ueber-uns/ Teil der neuen Über-uns-Seite
/aktion-sommer-2019.html keine ersatzlos entfallen, Status 410
/download/preise.pdf /download/preisliste-2026.pdf neue Fassung der Datei

Die Regel ist einfach. Jede alte Adresse zeigt auf die neue Seite, die denselben Inhalt oder dieselbe Frage am besten beantwortet. Zusammengelegte Seiten zeigen gemeinsam auf die neue, gebündelte Seite. Das ist erlaubt und sinnvoll.

Schwierig wird es bei Seiten, die es nicht mehr gibt. Die Versuchung ist groß, sie alle auf die Startseite umzuleiten. Google rät in seiner Anleitung zum Website-Umzug ausdrücklich davon ab: Viele alte Adressen, die auf eine unpassende Seite zeigen, verwirren Besucher und können als sogenannte Soft-404-Fehler gewertet werden. Gibt es keinen passenden Ersatz, ist eine ehrliche Fehlerseite mit Status 404 oder 410 die bessere Lösung. Gestalten Sie diese Seite hilfreich, mit Suchfeld und Links zu den wichtigsten Bereichen.

3. Die richtige Art der Weiterleitung wählen

Für einen Relaunch kommen nur permanente Weiterleitungen in Frage, in der Regel mit dem Statuscode 301 (308 funktioniert ebenso). Ein 302 bedeutet „vorübergehend umgezogen“ und ist für Fälle gedacht, in denen die alte Adresse zurückkommt. Weiterleitungen per JavaScript oder Meta-Refresh im HTML sind eine Notlösung. Wo der Server die Weiterleitung selbst ausführen kann, sollte er das tun. Mehr dazu erklärt Google auf der Seite über Weiterleitungen und die Google-Suche.

4. Ketten auflösen

Viele Websites haben schon einen oder zwei Relaunches hinter sich. Dann zeigt eine Adresse von 2012 auf eine von 2018, die jetzt wieder umzieht. So entstehen Ketten. Google folgt zwar mehreren Sprüngen, empfiehlt aber, direkt auf das endgültige Ziel zu verweisen. Jeder Zwischenschritt kostet Ladezeit.

Prüfen Sie deshalb die bestehenden Weiterleitungen der alten Website und aktualisieren Sie deren Ziele. Aus A → B → C wird A → C und B → C.

5. Vor dem Start testen

Die Liste wird auf der Testumgebung eingespielt und dort Zeile für Zeile geprüft. Ein Crawler kann die alten Adressen nacheinander aufrufen und den Statuscode sowie das Ziel melden. Jede Zeile sollte genau eine Weiterleitung mit 301 auf eine Seite mit Status 200 ergeben.

Achten Sie dabei auf Sonderfälle, die gern übersehen werden:

  • Adressen mit und ohne www, mit http und https
  • Groß- und Kleinschreibung (/Kontakt.html und /kontakt.html)
  • mit und ohne Schrägstrich am Ende
  • Adressen mit Parametern, etwa aus Newslettern oder Anzeigen

Das ist Fleißarbeit. Sie lohnt sich trotzdem.

Was außer den Weiterleitungen umgestellt werden muss

Weiterleitungen fangen alte Links auf. Die eigene Website sollte aber keine mehr benötigen. Interne Links, Canonical-Angaben und die Sitemap verweisen direkt auf die neuen Adressen. Bei mehrsprachigen Websites gilt das auch für die hreflang-Angaben.

Danach kommen die Stellen außerhalb der Website: Zieladressen in Google Ads, der Link im Google-Unternehmensprofil, Profile in sozialen Netzwerken, Vorlagen für Newsletter und E-Mail-Signaturen. Bitten Sie wichtige Partner, die auf Sie verlinken, ihre Links zu aktualisieren. Eine Weiterleitung ist ein guter Notbehelf, ein direkter Link ist besser.

Die Adressänderung in der Search Console

Häufig wird gefragt, ob man Google den Relaunch melden muss. Das Tool zur Adressänderung in der Search Console ist nur für den Wechsel auf eine andere Domain oder Subdomain gedacht. Bleibt die Domain gleich und ändern sich nur die Pfade, genügen die Weiterleitungen und eine neue Sitemap. Auch beim Wechsel von http auf https braucht es das Tool laut Google nicht.

Ziehen Sie dagegen auf eine neue Domain um, richten Sie zuerst die Weiterleitungen ein und melden den Umzug danach in der Search Console für die alte Domain an. Die alte Domain behalten Sie mindestens ein Jahr, besser dauerhaft.

Die ersten Wochen nach dem Start

Schwankungen in den Suchergebnissen sind nach einem Relaunch normal, Google muss die neuen Seiten erst erfassen. Bei mittelgroßen Websites kann das einige Wochen dauern. Beobachten Sie in dieser Zeit:

  1. die Seitenindexierung in der Search Console, besonders Seiten mit dem Status „Nicht gefunden (404)“
  2. die Server-Protokolle auf häufig aufgerufene Adressen, die ins Leere laufen
  3. Klicks und Positionen der wichtigsten Seiten im Vergleich zum Zeitraum vor dem Start

Taucht eine vergessene Adresse auf, ergänzen Sie die Liste. Die Weiterleitungen selbst bleiben bestehen, laut Google so lange wie möglich, in der Regel mindestens ein Jahr. Wir empfehlen, sie dauerhaft aktiv zu lassen.

Wir unterstützen Sie dabei, die Weiterleitungsliste von Anfang an mitzuplanen. Mehr dazu finden Sie unter Website-Relaunch. Wenn Sie vorab wissen möchten, welche Seiten Ihnen heute Besucher aus Google bringen, helfen wir Ihnen gern im Rahmen unserer SEO-Betreuung.