Webdesign

Mehrsprachige Website mit maschineller Übersetzung oder Fachübersetzung?

Reicht DeepL für Ihre englische Website? Welche Texte maschinell übersetzt werden können, wo Fachübersetzer nötig sind und wie ein Mittelweg aussieht.

6 Min. Lesezeitturbo2web · seit 2003

Ein Klick, und die ganze Website liegt auf Englisch vor. So einfach scheint das. Moderne Übersetzungswerkzeuge wie DeepL oder Google Übersetzer liefern Texte, die sich auf den ersten Blick ordentlich lesen. Wozu also noch Geld für eine Fachübersetzung ausgeben?

Die ehrliche Antwort? Für manche Texte braucht man das nicht. Für andere wäre es leichtsinnig, darauf zu verzichten. Entscheidend ist, welche Aufgabe ein Text hat und was ein Fehler darin kosten würde. Dieser Vergleich hilft Ihnen, Ihre Inhalte richtig einzusortieren.

Was Maschinen heute gut können

Die Qualität maschineller Übersetzung ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Grammatik und Satzbau stimmen meistens. Das ist ein echter Fortschritt. Sachliche Texte mit klarer Struktur, etwa technische Datenblätter oder einfache Produktbeschreibungen, übersetzen die Werkzeuge oft so, dass ein Leser den Inhalt problemlos versteht.

Dazu kommt das Tempo. Hunderte Produktvarianten sind in Minuten übersetzt. Für einen ersten Entwurf, für interne Zwecke oder um zu prüfen, ob sich ein Auslandsmarkt überhaupt lohnt, ist das ein großer Vorteil.

Wo Maschinen an Grenzen stoßen

Schwierig wird es dort, wo ein Text mehr leisten muss als Informationen zu transportieren.

Fachbegriffe und Ihre eigene Sprache

Jede Branche hat Begriffe, die in der Zielsprache anders heißen, als ein Wörterbuch vermuten lässt. Ein Werkzeug wählt mal das eine, mal das andere Wort. Auf Seite drei heißt Ihr Produkt dann anders als auf Seite sieben. Kunden aus dem Fach merken das sofort. Und sie ziehen Schlüsse daraus.

Tonfall und Werbebotschaften

Ein Satz wie „Wir packen an, wo andere zögern“ lebt von seinem Klang. Wörtlich übersetzt wirkt er im Englischen oft hölzern oder unfreiwillig komisch. Slogans und Startseitentexte müssen deshalb neu geschrieben werden, nicht übersetzt. Das ist Arbeit für Texter.

Rechtliche Texte

Impressum, Datenschutzerklärung, Geschäftsbedingungen und Widerrufsbelehrung haben rechtliche Wirkung. Ein falsch übersetzter Begriff ist hier kein Schönheitsfehler. Lassen Sie solche Texte von Fachleuten übersetzen und im Zweifel rechtlich prüfen. Dieser Artikel ist keine Rechtsberatung.

Suchbegriffe

Menschen in Großbritannien oder Frankreich suchen nicht unbedingt mit den Wörtern, die eine Übersetzung liefert. Wer im Ausland gefunden werden möchte, braucht eine eigene Recherche der Suchbegriffe in jeder Sprache. Kein Übersetzungswerkzeug nimmt Ihnen das ab.

Ein Vergleich nach Textart

Statt einer pauschalen Entscheidung lohnt sich ein Blick auf jede Textart einzeln. Die folgende Übersicht zeigt eine praxistaugliche Einteilung.

Textart Maschine allein Maschine plus Prüfung Fachübersetzung
Startseite, Slogans, Werbetexte nein selten ja
Leistungs- und Produktseiten nein ja bei Fachthemen
technische Datenblätter möglich ja bei Haftungsrisiko
Blogartikel, Ratgeber nein ja bei Fachthemen
Rechtstexte nein nein ja
Menüs, Knöpfe, Formulare nein ja nicht nötig
interne Dokumente möglich nach Bedarf nicht nötig

Auffällig ist die Spalte „Maschine allein“. Für öffentliche Texte bleibt sie fast überall leer. Selbst Menüpunkte und Formulare brauchen einen prüfenden Blick, weil kurze Wörter ohne Zusammenhang besonders oft falsch übersetzt werden. Ein „Senden“-Knopf, der in der Fremdsprache wie „Versand“ klingt, verwirrt mehr, als man denkt.

Der Mittelweg heißt Post-Editing

Zwischen reiner Maschine und klassischer Fachübersetzung gibt es ein bewährtes Verfahren. Die Maschine liefert den Rohtext. Eine Person mit sehr guten Sprach- und Fachkenntnissen überarbeitet ihn danach gründlich. Für diese Arbeitsweise gibt es mit der Norm ISO 18587 eine eigene Grundlage, für klassische Übersetzungsdienstleistungen die Norm ISO 17100. Fragen Sie Ihren Übersetzungsdienstleister ruhig danach.

Post-Editing spart Zeit, wenn der Ausgangstext klar und sachlich geschrieben ist. Bei verschachtelten Werbetexten bringt es wenig. Dann schreibt der Überarbeiter ohnehin fast alles neu.

Ein Rechenbeispiel mit angenommenen Werten zeigt, wie Sie den Aufwand einordnen können. Angenommen, Ihre Website hat 30 Seiten mit zusammen 15.000 Wörtern. Davon entfallen 2.000 Wörter auf Startseite und Werbetexte, 3.000 auf Rechtstexte und 10.000 auf Leistungs- und Produktseiten. Dann gehen 5.000 Wörter an eine Fachübersetzung oder werden neu geschrieben, die übrigen 10.000 laufen über Post-Editing. Sie bezahlen also nur dort den vollen Aufwand, wo er wirklich nötig ist.

Ein Glossar spart doppelte Arbeit

Egal für welchen Weg Sie sich entscheiden: Legen Sie zu Beginn eine Liste Ihrer wichtigsten Begriffe an. Darin steht, wie Ihre Produkte und Fachwörter in jeder Sprache heißen sollen. Viele Übersetzungswerkzeuge können solche Glossare einlesen und halten sich dann an Ihre Vorgaben.

Das Glossar hilft auch später. Neue Seiten und Newsletter verwenden dieselben Wörter. Ihre fremdsprachige Website klingt dann nach einem Unternehmen und nicht nach einer Sammlung einzelner Übersetzungen.

Was Google zu übersetzten Inhalten sagt

Für Google ist maschinelle Übersetzung kein Problem an sich. Die Spam-Richtlinien nennen beim Missbrauch skalierter Inhalte aber ausdrücklich auch automatisches Übersetzen, wenn damit massenhaft Seiten ohne Nutzen für Leser entstehen. Wer also hunderte Seiten ungeprüft durch ein Werkzeug schickt, geht ein Risiko ein. Dasselbe gilt für KI-Texte auf der Firmenwebsite, die in großer Zahl ohne Prüfung entstehen.

Zur Technik gibt Google in seinen Hinweisen zu mehrsprachigen Websites klare Empfehlungen. Jede Sprachversion sollte eine eigene Adresse haben. Besucher sollten nicht automatisch anhand ihrer vermuteten Sprache umgeleitet werden. Und eine Seite sollte möglichst nur eine Sprache enthalten, statt Original und Übersetzung nebeneinander zu zeigen.

Deshalb raten wir auch von Übersetzungs-Widgets ab, die Texte erst im Browser des Besuchers umwandeln. Die übersetzten Fassungen haben keine eigene Adresse und tauchen in der fremdsprachigen Suche kaum auf.

Der Ablauf in der Praxis

  1. Ziel klären. Wollen Sie im Ausland gefunden werden oder nur bestehenden Kunden eine zweite Sprache anbieten? Davon hängt ab, wie viel Aufwand sinnvoll ist. Bei einer neuen Website gehört diese Frage schon ins Briefing für das Projekt.
  2. Inhalte einteilen. Ordnen Sie jede Seite einer Zeile aus der Tabelle oben zu.
  3. Glossar anlegen. Klären Sie die zehn bis zwanzig wichtigsten Begriffe vorab.
  4. Suchbegriffe recherchieren. Für jede Zielsprache und jedes Land getrennt.
  5. Übersetzen lassen. Werbetexte neu schreiben, Rechtstexte fachlich übersetzen, den Rest per Post-Editing.
  6. Gegenlesen lassen. Am besten von einer Person, deren Muttersprache die Zielsprache ist und die Ihre Branche kennt.
  7. Pflege planen. Legen Sie fest, wer neue Inhalte in allen Sprachen nachzieht. Eine englische Seite, die seit zwei Jahren hinterherhinkt, wirkt schlechter als gar keine.

Fazit

Maschinelle Übersetzung ist ein gutes Werkzeug. Sorgfalt ersetzt sie nicht. Für sachliche Texte mit menschlicher Nachbearbeitung reicht sie oft aus. Bei Werbebotschaften und Rechtstexten lohnt sich der Mensch. Wer Inhalte nach ihrer Aufgabe einteilt, spart Geld an der richtigen Stelle.

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